Watch unlimited films online for $6.99.
Try MUBI for FREE.
 

Showgirls

By Michael Voegtli​n on February 17, 2010

Ein Film im Delirium: Alice im Land der Spiegel, die sie gegen Mitte des Films dann durchschreitet (wenn Nomi und Crystal zusammen essen, trinken und mit Chips anstossen) – ein unvermittelter Achsensprung, welcher Aufstieg und Abstieg und einen Rollenwechsel markiert. Zwei Göttinen, herabgestiegen vom Olymp oder dem Hades entfleucht. Hier offenbart sich Verhoevens Nähe zu Rivette (Céline et Julie vont en bateau – Phantom Ladies Over Paris, Duelle (une quarantaine)); auch in seinen Spiegelungen und Verwerfungen zwischen Backstage, Bühnenshow und Realität, oder wenn man so will zwischen den kleinen und grossen Bühnen (Hinterhofbaracke/Hotel bzw. Casino/Las Vegas/USA), ist er dem französischen Cineasten so nah verwandt wie sonst nie in seinem Schaffen. Ein Film auch – nicht über die Hysterie – sondern über Theatralität als Form der Kommunikation und des Handelns.

Wir steigen mit der Heldin am Highway in den Film ein, unvermittelt, ein archetypischer Moment, von dem ausgehend der amerikanische Traums ausgehölt und dessen Ungerechtigkeiten vor aller Augen seziert werden. Die Formel “vom Tellerwäscher zum Millionär” gerät hier zur Farce. Wer bleibt unterwegs zurück, wer kommt unter die Räder, wer muss sich mit dem zufrieden geben, was unter den Tisch fällt?

Zuletzt sieht man die Heldin gen Hollywood entschwinden. Verhoevens Metaphern und Bilder sind sicher wenig subtil, dafür umso vollendeter in ihrer Unvermitteltheit. Dieser Wille zur Gestaltung schöpft starke Poesie. Viele Kritiker verwechseln hier die Form mit dem Inhalt. Ein Film der auf den ersten Blick Vulgäres verhandelt, muss nicht zugleich vulgär sein, das Gegenteil ist hier der Fall.